Summertime Blues

Das Originalhörspiel zum Film

Manche Ereignisse sind einfach so umwerfend und schwer fassbar, dass sie die gute Sommerlaune verderben. Beispielsweise wenn das bisher unkomplizierte Leben durch die plötzliche Scheidung der Eltern gestört wird. Das sitzt natürlich und ist für den 16-jährigen Alex aus Bremen nicht so einfach wegzustecken. Und es wird ja auch gern behauptet, dass die Eltern nur wegen der Kinder zusammenbleiben. Und das stimmt jetzt auch noch, denn seine Mutter sagt, als wäre es das Normalste von der Welt, „Wir sind nur wegen Dir solange zusammengeblieben“. Sein Vater Steffen fährt schon seit längerem auf seine junge Assistentin Mandy ab, die auch noch schwanger ist. Und Alex Mutter Diana ist total hipp seit sie in Seth, einem Serienschauspieler, verliebt ist. Dieses neue Lebensgefühl seiner Eltern will so gar nicht auf Alex überspringen. Vielmehr packt ihn der Blues.

Nach einem Schulkonzert schlägt er einen Schüler nieder und wird für die restliche Zeit des Schuljahres von der Schule verwiesen. Seth bekommt einen Dreh in Kent. Er und seine Film-Crew, zu der jetzt auch Diana gehört, quartieren sich vor Ort ein. Und als ob die veränderte Familiensituation nicht schon abgefahren genug wäre. Jetzt muss Alex auch noch mit in die unvorstellbare Einöde Südostenglands. Ein Landhaus ohne Komfort, dazu die Einsamkeit, nicht mal sein Freund Danny ist dabei. Doch dann ist da Louie. Sie ist frei und unabhängig. Geht einfach nicht zur Schule und lebt allein mit ihrer Ziege Snowy und anderen Tieren auf einem Hof. Manchmal hilft sie auch im Pub aus. Und wenn es sein muss, klaut sie Futter für die Tiere. Wie aus dem Nichts taucht auch noch Seths Tochter aus den USA auf. Faye, eingebildet und abgeklärt. Piekfein und modisch gekleidet passt sie nicht so recht aufs Land. Alex zeigt ihr deutlich, dass

ihm an ihr nichts liegt. Wo sich ihm eine Gelegenheit bietet, beißt er zu. Doch auch Faye schleppt ihren familiären Ballast mit sich rum. Alex beginnt sie mit anderen Augen zu sehen. Und als es zwischen ihnen funkt, ist der Blues wie weggefegt.

Fazit

Ein ernstes Thema, nämlich Scheidung, Trennung und Verlassensängste. Doch davon ist nichts zu spüren in Summertime Blues. Das Thema ist nur der Aufhänger für eine saloppe Erzählung mit ein bisschen zu viel Platitüde. Die entzweite Familie. Der Vater nimmt sich eine Jüngere, die Mutter schmeißt sich einem Superstar an den Hals, keine Spur mehr von hausbacken sondern nur noch up to date. Der pubertierende Jüngling Alex dazwischen. Der einzige Halt ist sein Freund Danny und dessen Familie. Doch die sind ausgemacht als Hippies und damit gleichgesetzt mit Junkies. Dann muss es natürlich Kent sein. Die schlichte Einöde, in der plötzlich eine Art Pippie Langstrumpf auftaucht. Nämlich Louie, die Revoluzzerin. Ohne Eltern, ohne Schule, nur mit ihren Tieren, macht sie, was sie will. Und Alex. Der findet sie toll. Aber nur bis die klasse aussehende Faye mit einem bisschen viel „Prada“ auftaucht. Eben eine echte glückliche Patchwork-Familie.

Ich gebe zu, auch wenn das Thema einfach mehr Inhalt verlangt und nicht nur einen klischeebesetzten Überzug, hat das Hörspiel meinen Blues beseitigt. Die witzigen und heiteren Einlagen, die lebendigen emotionalen Ausbrüche sind einfach stimmungsaufhellende Unterhaltung. Warum nicht mal leichte, frische Kost, die einfach gute Laune macht.

Summertime Blues, das Originalhörspiel zum Film, gesprochen von François Goeske, Karoline Eichhorn, Christian Nickel, Maja Schöne, Alexander Beyer, Zoe Moore, Sarah Beck, Jonathan Beck u.v.a., mit Musik von Youki Yamamoto, Jakob Anthoff, Gesamtspielzeit: 02:02:49, 2 CD, GoyaLit aus dem Hause JUMBO Neue Medien und Verlag GmbH, Hamburg 2009, € 14,95, ISBN 978-3-8337-2358-2

© Soraya Levin