Die Stimmen der Tiere Asien

Cord Riechelmann

© Kein & Aber

Die Natur unserer Welt ist nicht nur durch ihre unterschiedlichen Landschaften mit ihrer jeweiligen Pflanzen- und Tiervielfalt sichtbar, sondern sie wird durch ihre unverwechselbaren Klänge der Tiere auch hörbar. Ob unter Wasser, in Amerika, Afrika, Europa, Australien oder Asien. Jeder Kontinent lässt seine Natur unterschiedlich hörbar werden.

So vielfältig wie die Vegetation unseres größten Kontinents, Asien, sich über verschiedene Klimazonen von Wüsten in Steppen, von Sumpfgebiete in Regenwälder wandelt, so vielfältig ist auch die tierische asiatische Klangwelt.

Nicht gerade wohl tönend erklingt im feuchten tropischen Regenwald Indonesiens das waschbrettartige Gegrunze des mit riesigen Stoßzähnen versehenden Hirschebers. Viel weiß man nicht über diese bedrohte Tierart. Nur dass die trächtigen Weibchen vor der Geburt die Männchen verjagen und ihre Jungen alleine groß ziehen.

Ein Unikum im Lautrepertoire ist die größte aller noch lebenden asiatischen Großkatzen, der Tiger, dem allein zum Ausdruck seiner Stimmungen dreißig Lautvarianten, über eine dunkle tief verzerrte Stimme, hin zum Röcheln bis hin zum Weinen wie ein Kind, zur Verfügung stehen.
Zu seinen Lieblingsspeisen gehören Hanuman-Languren. Die Schlankaffen mit schwarzen Händen und schwarzem Gesicht sind ein alltägliches Bild in den indischen Städten und ihren heiligen Stätten.
Ihre Schreie klingen mitunter dumpf und dann wieder schrill.

Ganz anders der Mandschurenkranich, dessen kräftige Stimme sich während des Tanzes im Duettsingen erprobt.

Und noch ein anderer Bewohner des Regenwaldes liefert ein furios ergreifendes Klangensemble. Der schwanzlose kleine Menschenaffe, der Gibbon. Die über ein umfassend angeborenes Lautrepertoire verfügenden Männchen und Weibchen singen gern im Duett.

Was bei dem einen angeboren ist, kann bei dem anderen erlernt werden. So wird der im Himalaja und in Indien beheimatete Starenvogel Beo oft mit einem Papagei verwechselt, denn er nimmt gern menschliche Laute mit in seinen Gesang auf.

Aber nicht nur Gesang, sondern auch Hundebellen des Steppenfuchses oder des kleinsten Wildhundes, des Fennek, ertönt durch die weiten Steppen Zentral- und Ostasiens.

Und wenn man Glück hat, hört man das laute Brüllen des Kulan, einem asiatischen Esel, der vor Jahren noch in unendlichen Herden die syrische Halbinsel durchstreifte und heute fast nur noch im Zoo zu finden ist.

Einer der wohl auffallend attraktivsten Bewohner der asiatischen Regenwälder Thailands, Borneos und Javas ist der Rhinozeroshornvogel. Seinen orange gefärbten riesigen Schnabel trägt er prunkvoll und stolz mit sich herum. Männchen und Weibchen bleiben über ihre musikalischen Rufe ständig in Kontakt.

Die tagsüber schlaftrunkenen und dösig in den Bäumen Südostasiens vor sich hindämmernden Malayenbären drücken sich nachts beim Klettern nur mit Hilfe weniger fast kaum hörbarer Laute aus.

Wohingegen die auf Bäumen lebenden Menschenaffen der Regenwälder Borneos, die Orang–Utans, sich mit langen tiefen Schreien verständigen.

Ebenfalls dunkel und tief röhrend ertönt der im asiatischen Gewässer vertraute Schrei von dem Wasserbüffel.

Vertraut nicht nur im asiatischen Gewässer und in den Regenwäldern, sondern auch in Gärten und Häusern ist hingegen die kräftige laute Stimme des Tokee. Er gehört zu den Geckos und kann recht nervig sein, wenn er zu meckern beginnt.

Fazit

Die Stimmen der Tiere: Asien ist eine Enzyklopädie über das akustische Reich der Tiere vom Hirscheber bis zu Kranichen, Gänsen, Affen und vielem mehr. Über Warnschreie vor Feinden bis hin zum Balzgesang, über abwechselndes Singen und Singen im Duett, über Hören, Kopieren und Aufnehmen in das eigene Lautrepertoire, mal melodisch und mal weniger, mal in der Nähe und mal über große Distanzen, mal am Tag und mal in der Dunkelheit. Die Rufe, die Stimmen, die Schreie, das Brüllen, die Orchesterlaute der Tiere bringen uns die Tiere nicht nur näher, sondern machen auch aufmerksam auf die bedrohten Lebensräume, die nicht nur sichtbar, sondern hörbar an der Veränderung des tierischen Orchesters sind.

Die Stimmen der Tiere: Asien, Teil einer Enzyklopädie, die auf faszinierende Weise den asiatischen Kontinent mit seinem unverwechselbaren tierischen Klangmuster hörbar macht.

Cord Riechelmann, Die Stimmen der Tiere: Asien, Mit Kommentaren von Hanns Zischler, Jewelbox in Schuber, 1 CD, Spieldauer 66 Min., KEIN & ABER Records Zürich 2008, ISBN: 978-3-0369-1185-4, 14.90 €, 24.90 CHF

© Soraya Levin