Sunset

Klaus Modick

Klaus Modicks Roman Sunset ist mehr wie ein kraftvoll erzählter Gang durch das Leben des Mannes, der sich selbst als den "hässlichsten und kleinsten Juden Münchens" bezeichnete, Sunset ist große Literatur.

Es ist am 16. August 1956, Südkalifornien. Ein Telegramm mit dem Wortlaut "Bertolt Brecht gestorben …" durchbricht den Morgen des bedeutendsten deutschen Exilschriftstellers Lion Feuchtwanger. Die Nachricht über den Tod des Freundes ist ein Schock. Während draußen der Tag beginnt und die Stadt erwacht, dringen die Bilder der Vergangenheit ein in die Gegenwart und nehmen Besitz von ihr. Während er sein gealtertes Gesicht im Spiegel betrachtet, seine Füße beim Gang durch das Haus die Kühle des Bodens spüren, versucht Worte zu Papier zu bringen, die Brise des Ozeans spürt, ist er erschöpft, beinahe kraftlos und versunken in die Erinnerungen.

Es ist die Zeit, wo die Luft explosiv ist. In den Straßen tobt der Kampf um die Räterepublik, der Kampf der politischen Splittergruppen, der Spartakusaufstand. In dieser Zeit prallen die beiden deutschen Dichter Lion Feuchtwanger und Bertolt Brecht aufeinander. Er sieht diese zwei ungleichen Männer, die sich erstmals in München begegnen. Während der eine an seinem Erfolgsroman Jud Süß schreibt, ist der andere noch in der Anonymität, sucht mit Feuchtwangers Hilfe einen Durchbruch mit seinem Skript Spartakus.

Es ist der Beginn einer lebenslangen inneren Verbundenheit. In der Rückblende sieht Feuchtwanger diesen explosiven und immer wieder provozierenden jungen talentierten Brecht vor sich. Ein Brecht, der für die Dichtung leidenschaftlich glüht und erbittert in Streitgesprächen für seine Linie kämpft.

Ab 1933 ist kein Platz mehr für die beiden großen Dichter in Deutschland. Die Geflohenen treffen sich im südkalifornischen Exil wieder. Während es für Feuchtwanger erfolgsmäßig weitergeht, sucht Brecht vergeblich den Neuanfang. Hier ist der Entwurzelte ein Unbekannter. Die amerikanischen Bürger und Hollywood zeigen keine Bereitschaft sich für Brechts Dichtung und sein episches Theater zu öffnen. Ein Ankommen in der Emigration gelingt nicht. Wird zusätzlich vereitelt durch die ständige Geldnot, die der Freund Feuchtwanger lindert und durch das