Da steht mein Haus

Hans Keilson

Mit unaufgeregten und leisen Worten beschreibt Hans Keilson sein durch Antisemitismus und Nazibarbarei verätztes Leben.

Diese Lebensskizzen des 1909 in Freienwalde an der Oder geborenen Autors sind gedankliche Notizen eines Überlebenden der Shoah, dessen Skizzen mit der Zeit einen anderen Blick freigeben. Dessen Skizzen zeigen, hier ist lebenslanges Leiden.

Bad Freienwalde, ein Kurort, ein Erholungsort, bald entdeckt als Ausflugsziel für die Berliner Avantgarde, darunter auch viele Juden. Sonntägliche Treffen, begleitet vom Spiel der Kurkapelle, von Spaziergängen unter den Kastanien, vom Bestaunen dekadenten Autoluxus, von Gewitterregen und Füßen in den Rinnsalen. In den Ferien ab zur Großmutter, ins Riesengebirge oder an die Ostsee, im Winter im Oderbruch Schlittschuhlaufen.

Noch spüren sie nicht das schwül warme Wetter und die bereits heranziehenden kräftigen Gewitter des Antisemitismus. Schließlich sind sie Deutsche und gehören dazu. Der Vater hat im Ersten Weltkrieg an der Front gekämpft, die Eltern betreiben ein gut gehendes Textilgeschäft, Festtagswünsche der Bewohner Bad Freienwaldes zu den jüdischen Feiertagen.

Es brodelt und wird finster. Jetzt ist die Zeit für den christlichen Antisemitismus. Die Lehrerin spricht von dem jüdischen Verräter Judas und ruft zur Konvertierung auf. Im Chor der protestantischen Nikolaikirche haben Juden nichts mehr zu suchen. Hans Keilson fliegt hinaus. Jetzt ist die Zeit für einen erweckten unbegrenzten Judenhass. Sie schreien "Juda verrecke". Jetzt ist die Zeit für die Hetze gegen die Judenrepublik, für die radikalen Wehrverbände.
Jetzt ist die Zeit Hans Keilson mit anderen Augen zu sehen. Seine Mitschüler prahlen ihre antisemitischen Gedanken gegen ihn frei heraus.

Während Hans Keilson 1928 zum Medizin- und Sportstudium nach Berlin