Das Paradies der Damen

Emile Zola

Ein Leseerlebnis der Extraklasse, dazu noch verblüffend aktuell

Vorbei sind die Zeiten, wo Einkaufen eine reine Pflicht war. Konsumparadiese in den Weltmetropolen von New York bis Paris stehen für Lebensfreude und Unterhaltung. Die großen Shopping-Malls als Prestigeobjekt, die mit kolossalen Fassaden, mit spektakulären Inszenierungen und der künstlerischen Gestaltung von Waren Lust auf Konsum wecken. Die das begehrenswerte Objekt den Kunden, in einen Kaufrausch versetzen.

Der französische Schriftsteller Emile Zola beschreibt diesen Übergang in die Moderne bereits 1883 in seinem Buch Das Paradies der Damen.
Eingebettet in eine Liebesgeschichte zeichnet er ein wahres kaleidoskopisches Feuerwerk des Konsumentenverhaltens im 19. Jahrhundert. Eine soziale Wirklichkeit, die zu Gunsten des Konsumrauschs mit dem alten Handel bricht und die sozialökonomischen Verhältnisse verändert.
In Zolas Paris des 19. Jahrhunderts wirkt das Warenhaus Das Paradies der Damen als Schrittmacher für den veränderten Handel. Vor diesen riesigen lichtdurchfluteten Fensterfronten, die sich über ganze Häuserblocks ziehen, mit ihrer glänzenden schmuckvollen Fassade und den beeindruckenden üppig gestalteten Schaufensterdekorationen steht Denise, ein einfaches Mädchen vom Land, mit ihren beiden Brüdern und ihnen stockt der Atem. Ein Blütenfeuerwerk von Farben der Wolltuche und Stoffe. Hier ein preiswerter Mantel, dort einer von hoher Qualität, hier eine Weste, dort eine Kapuze, hier ein Handschuh aus Wolle, dort einer aus Fell, hier ein Stoff aus grober Wolle, dort ein Stoff aus feiner Schafwolle, hier eine Klöppel- und Nadelspitze aus dem Raum Brüssel sowie der Provinz Brabant, dort mit der Valenciennes Spitze eine der exquisitesten Handklöppelspitzen. Dieser maßlose Reichtum der Waren quellt aus dem Dickicht des Warenhauses mit den einladenden Schnäppchen nach draußen auf die Straße.

Das Paradies der Damen hat den Kleinhändlern von Paris den Krieg erklärt. Der Konkurrenzkampf gegen diesen erdrückenden Konsumtempel ist aussichtslos. So auch für Denise Onkel Baudu. Sein kleiner Stoffladen direkt gegenüber vom Paradies der Damen ist vom Verfall gezeichnet. Hier gibt es nichts Kunstvolles, keine leuchtenden Schaufensterdekorationen. Hier gibt es nur miefige modrige Luft, die kaum Raum zum Atmen lässt. Hier gibt es keine lichtdurchfluteten Fenster, die den Farben der Stoffe ihre Wärme und Frische geben. Hier gibt es keine Vielfalt von Tuchen, keine Schnäppchen neben dem Exquisiten. Hier mitten im Sog des Paradieses der Damen gibt es nur eins, den täglichen Kampf ums Überleben. Baudu steht kurz vor dem Konkurs, sein Lebenswerk scheint zerstört. Bis auf einen Mitarbeiter hat er alle entlassen, sein Privatvermögen deckt bislang noch die Schulden ab. Für Denise und ihre Brüder kann er nicht sorgen. Denise bleibt nichts anderes übrig als in dem von ihren Onkel verhassten Paradies der Damen als Verkäuferin anzufangen. Ein ärmliches Mädchen aus der Provinz nun in Seide gekleidet.

Für Denise ist das Warenhaus am Anfang kein Paradies, sondern ein Ort des Grauens. Angetrieben von Provisionen tobt ein mörderischer Wettbewerb unter den Mitarbeitern, vom Verkäufer bis zum Abteilungsleiter. Jeder versucht dem anderen die Kunden abspenstig zu machen, jeder versucht den Platz des anderen zu bekommen, versucht zu überleben, wenn es um die Entlassungen in verkaufsschwachen Zeiten geht, schwärzt dafür den Kollegen an und verbreitet üble Gerüchte. Die Verkäufer von auswärts sind in dürftig ausgestatteten Räumen untergebracht. Das Kantinenessen ist schlecht. Die Frauen sind besonders von der Armut betroffen. Oftmals zwängen sie sich in eine Beziehung, da das verdiente Geld kaum zum Leben reicht.
Während Denise unter Beschimpfungen und Bloßstellungen leidet und sich Nacht