Schwere Stunde und Bekenntnisse des ...

Thomas Mann

Wie schwer es ist, ein Dichter zu sein, beschreibt Thomas Mann in der Erzählung „Schwere Stunde“.
Ein 37 Jahre alter Dichter, der nicht nur durch seine Lungenerkrankung ausgelaugt ist, sondern auch durch seine schöpferische Blockade. Es gelingt ihm einfach nicht, seine Gedanken zu Papier zu bringen. Seine jugendliche Vitalität ist dahin. Er fühlt sich alt und von den Jugendsünden eingeholt. Von schwersten Selbstvorwürfen geplagt, schleppt er sich an den Schreibtisch. Streng mit sich selbst verwürft er seine Einfälle und blickt sehnsüchtig und voller Neid auf „den mit dichterischer Leichtigkeit schreibenden in Weimar“. Sein eigener dichterischer Erfolg ist letztlich hart erkämpft.

In dem Auszug „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ erzählt Thomas Mann eine Episode aus der Kindheit des im Rheingau geborenen Schwindlers. Sein Vater Engelbert ist Inhaber einer Schaumweinfabrik. Der prickelnde „Lorley extra cuvée“ sieht von außen gut aus, nur der Inhalt ist nicht gerade ein Genuss.
Die Familie liebt es, bis in die frühen Morgenstunden wilde Feste zu feiern.
Während des Aufenthaltes im Kurort Langenschwalbach mimt Felix bei einem Sinfoniekonzert einen Virtuosen. Das Publikum ist begeistert und der vermeintliche Künstler wird überschwänglich gefeiert.

Die Details der Erzählung identifizieren den nicht namentlich genannten Dichter in „Schwere Stunde“ eindeutig als Friedrich von Schiller, der voller Neid auf seinen Freund in Weimar, auf Goethe blickt Thomas Mann selbst verstand sein Schreiben ebenfalls als harte Arbeit. „Schwere Stunde“ ist daher durchaus auch ein Stück Autobiografie.

Sprachlich und akustisch ist der Auszug aber sehr gewöhnungsbedürftig. Die szenische Betonung bringt den Gemütszustand des Dichters nicht deutlich herüber. Das Schillernde fehlt. O.E. Hasse gelingt es hingegen in dem gelesenen Auszug aus „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ schwungvoll die parodistische Seite zu betonen, das Talent und die Freude am Schwindeln und am beschwindelt werden und das trügerische Klischee, nur Erfolg in dem zu haben, was man kann
Inhaltlich gut, aber ungewohnt und nicht mitreißend klingend, eben dem Zeitgeist entsprechend.

„Schwere Stunde“ und „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, Thomas Mann, Auszüge gelesen von Thomas Mann und O.E. Hasse, 1 CD, 56 Min., 2007 by LübbeAudio, 7,99 €, ISBN 978-3-7857-3013-3

© Soraya Levin


Soraya Levin: Politologin, freie Redakteurin und Rezensentin

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