Geld oder Leben

Jan Böttcher

Jan Böttcher erzählt mit Geld oder Leben eine Geschichte von RAF-Terroristen, einem Bankraub, von Alt- und Neunazis, von der Liebe und von Globalisierungsgegnern.
Inmitten drin der 21jährige vorbestrafte Karl, im geliehenen VW-Bus T4, auf dem Weg nach Brandenburg zur Beerdingung seines Großvaters.
Das brandenburgische Dorf entpuppt sich als Sammelbecken ehemaliger Kampfgefährten seines Großvaters. Mit Hilfe von Nane, die im Dorf kellnert und eigentlich Sozialbetreuerin ist, entdeckt er eine zweite - nicht ganz offen zu legende - Welt seines Großvaters, die aus Partisanen und Nazis besteht.
Die vielen ungeklärten Fragen über die Identität seines Opas vermischen die Vergangenheit und Gegenwart
Karl denkt an seine Mutter, die seit 35 Jahren in der Sparkasse am Schalter arbeitet und den Verlockungen des Geldes nie erlegen ist. Mit dem deutschen Herbst und der RAF beginnt ihre paranoide Phase. Sie lebt in ständiger Angst, von den Terroristen in der Sparkasse überfallen zu werden. Karl versucht seine Ma – wie er sie nennt – von ihren Ängsten zu befreien. Gemeinsam mit seinem Freund Dennis überfällt er im Alter von 17 Jahren die Sparkasse, um ihren Alptraum wahr werden zu lassen.
Karls Opa arbeitet als Hausmeister in der Sparkasse und zweigt sich etliche Geldbeträge für seine Partisanentruppe ab.
Als der Diebstahl auffliegt, flieht er in den Osten. Karls Vater, in der Sparkasse als Abteilungsleiter beschäftigt, wird degradiert.
Karl noch unerfahren in der Liebe, erlebt mit Nane seine erste erotische Beziehung. Aber auch seinen ersten Liebesschmerz als Georg, ein vermeintlicher Nazi und guter Freund von Nane, sich zwischen sie stellt. Karl versucht der Langeweile und dem Warten auf Nane in dem brandenburgischen Dorf zu entfliehen.
Er beginnt eine Ausbildung bei einem dubiosen KFZ-Betrieb in Berlin.
Der Kontakt zu Nane ist auf E-Mails reduziert und mit seiner Mutter hat er sich überworfen.
In der Hoffnung, Nane wieder zu sehen, fährt Karl mit Georgs Freundin Kerstin zum G8 Gipfel nach Genua. Die Demo entwickelt sich zum Kampfplatz und Karl mittendrin.

Jan Böttcher erzählt mit Geld oder Leben auf humorvolle Weise die Geschichte des unerfahrenen 21jährigen Karls zwischen West und Ost, zwischen der Lüneburger Heide und Brandenburg.. Die Beerdigung seines Großvaters löst eine greifbare Identitätssuche bei Karl aus. Spuren der Vergangenheit vermischen sich mit seinen gegenwärtigen Erlebnissen.
Der in den Osten geflüchtete Opa ist zweifelsohne ein Kommunistenhasser und Nazi gewesen, Karls Mutter ist einer RAF-Phobie erlegen, von der nur Karls Sparkassenüberfall sie heilen konnte. Das glaubt zumindest Karl. Nane, Karls erste Liebe und dazwischen noch ein saurer Sozialarbeiter, der seinen T4 wiederhaben möchte. Zum Schluss die Krönung mit dem Globalisierungsgipfel, der mit einer Niederschmetterung nicht nur Karls Körpers sondern auch seines Geistes endet.
Das ganze in einer umgangssprachlich, jugendlich schnoddrigen und teilweise sehr flapsig und rotzigen Sprache, „...mein wertes Befinden war ihm komplett huflattich.“
Immer wieder die Sparkasse, die mit der ganzen Familie verwurzelt ist. Ansonsten ein viel zu voller Thementopf, der aber der guten Unterhaltung nicht im Wege steht. Überzeugend gesprochen von Rafi Guessous.

Jan Böttcher, Geld oder Leben, gesprochen von Rafi Guessous, 4 Audio CD. GoyaLiT Jumbo Neue Medien + Verlag 10.2006, Sprache deutsch, ISBN: 3-8337-1672-X

© Soraya Levin


GoyaLit

Soraya Levin: Politologin, freie Redakteurin und Rezensentin

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