Babel

Regie: Alejandro Gonzalez Inarritu

Babel, ein Film von Alejandro Gonzalez Inarritu, USA 2006, 142 Minuten, TOBIS Film GmbH & CO. KG.

In 2005 bereits mit dem Regiepreis beim Filmfestival von Cannes ausgezeichnet. Und äußerst Oskar verdächtig.

Babel spielt auf drei Kontinenten, Amerika, Afrika und Asien und zeigt wie ein einziger Moment globale Auswirkungen haben kann und das Leben von unterschiedlichen Menschen brutal verändert.
In der Einöde Marokkos kauft ein marokkanischer Ziegenhirte ein Gewehr vom Nachbarn. Seine beiden Söhne Ahmed und Jussef sollen damit Schakale schießen, um die Ziegenherde zu beschützen. 3 km weit soll es angeblich schießen können. Ahmed und Jussef wollen es testen. Sie schießen auf Steine, doch plötzlich taucht in diesem menschenleeren Hinterland ein weitaus besseres Ziel - ein Reisebus - auf.
Jussef legt das Gewehr an und …schießt. Der Schuss jagt durch die Seitenscheibe des Busses und verletzt die amerikanische Touristin Susan schwer. Ihr Mann Richard führt einen verzweifelten Kampf um ihr Überleben, denn in der Einöde gibt es weit und breit keine medizinische Versorgung. Die einzige schnellstmögliche Hilfe finden sie in einem marokkanischen kleinen Dorf durch einen Tierarzt, der die Blutung zum Stoppen bringt. Die amerikanische Botschaft wird informiert, weltweit verbreitet sich die Nachricht von dem Attentat. Ein terroristischer Anschlag wird vermutet.

In San Diego passt unterdessen die mexikanische Haushälterin Amelia, die seit Jahren illegal in den USA lebt, auf die beiden Kinder von Susan und Richard auf. Sie sitzt bereits auf heißen Kohlen und erwartet dringend deren Rückkehr – die sich ja nun aufgrund der Verletzung von Susan verzögert - da sie zu ihrem Sohn nach Tijuana zu seiner Hochzeit reisen möchte.
Wie es der Teufel will, findet sie auf die Schnelle niemanden, der die Kinder während ihrer Abwesenheit betreut. So trifft sie eine für sie folgenschwere und schicksalhafte Entscheidung. Sie nimmt nämlich die beiden Kinder mit und macht sich gemeinsam mit ihrem Neffen Santiago auf nach Mexiko. Auf der Rückfahrt streitet sich der betrunkene Santiago mit den Grenzpolizisten. Er dreht durch und flieht. Unterwegs schmeißt er seine Tante und die beiden Kinder in der Wüste aus dem Auto. Amelia und die Kinder sind am verdursten. Sie versucht Hilfe zu holen. Sie trifft auf einen Grenzposten. Sie und die Kinder sind gerettet. Amelia wird sofort ausgewiesen und das einzige was ihr nach 16 Jahren Arbeit in den USA bleibt, ist ihr rotes Kostümkleid, was sie zur Hochzeit trug.

In Marokko läuft die polizeiliche Ermittlung unterdessen auf Hochtouren. Die Polizisten gehen durchaus nicht zimperlich vor und verhören brutal Hussein, den Verkäufer des Gewehres, der es ursprünglich von einem Japaner geschenkt bekommen hat. Bei einem anschließenden Schusswechsel mit der Polizei kommt Ahmed, einer der Ziegenhirten, ums Leben.

Zeitgleich lebt in Tokio die taubstumme Chioko Jakusho. Sie hat den Selbstmord ihrer Mutter nie überwunden und kommt seitdem mit ihrem Vater, einem Geschäftsmann und ehemaligem Jäger, nicht mehr klar. Mit Drogen, Alkohol und sexuellen Annährungsversuchen an das andere Geschlecht versucht sie sich abzulenken und Liebe zu finden. Die Ereignisse in Marokko wirken auch unmittelbar in ihr Leben und das ihres Vaters hinein. Er war es, der dem Hussein einst das Gewehr nach einer Jagd geschenkt hat. Die Polizei möchte ihn deswegen befragen und seine Tochter glaubt, die Polizei fragt wegen des Selbstmordes der Mutter, sie glaubt, dass ihr Vater immer noch verdächtigt wird.

Der Film Babel zeigt einzigartig parallel ablaufende und verknüpfte Erzählstränge, die deutlich machen, welche Dimensionen eine einzige Handlung haben kann. Nicht die äußeren Grenzen sind es, die Babel zeigt, sondern mehr die inneren Widerstände, das Dilemma mangelnder Kommunikation. Während Amelia auf der Hochzeit ihres Sohnes sich amüsiert, tanzt, lacht und liebt, kämpft zeitgleich Susan um ihr Überleben. Politische übertriebene Reaktionen aufgrund von Terrorismushysterie, die mit dem Leben von Susan spielen und das Leben einer marokkanischen Hirtenfamilie zerstören. Gewaltige Naturbilder, gewaltig auch die Nahaufnahmen der charaktervollen Gesichter, voll von Verzweifelung das Gesicht des marokkanischen Vaters als sein Sohn Ahmed erschossen wird. Aber auch Freude und imposante Nachtaufnahmen von Tokio, wie die Szene, wo Vater und Tochter umschlungen vor der nächtlichen Kulisse stehen und immer mehr aus dem Blick geraten. Eine exzellente Kameraführung. Exzellent aber auch die Wirkung von Babel durch die schauspielerische Leistung nicht nur der Starbesetzungen, wie Cate Blanchett als Susan, Brad Pitt als Richard, Gael García Bernal als der Neffe Santiago und Koji Yakusho als der in Tokio lebende Vater Yasujiro und als Tochter Rinko Kikuchi als Chieko, sondern vor allem durch die Laienschauspieler. Ein philosophisches Meisterwerk.

© Soraya Levin


Tobis Film GmbH & Co KG

Babel


Soraya Levin: Politologin, freie Redakteurin und Rezensentin

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