Schwarzer Himmel, schwarzes Meer

Izzet Celasin

Der türkische Schriftsteller Izzet Celasin verlässt 1988 als politischer Flüchtling sein Heimatland. Mit seinem Roman „Schwarzer Himmel, schwarzes Meer“ arbeitet er ein Stück seiner eigenen Geschichte auf.

Izzet Celasins Erzählung spielt im Istanbul der 70er Jahre. Soziale und politische Spannungen liegen in der Luft. Unruhen und Tumulte häufen sich und hoch kochende bürgerkriegsähnliche Terroraktionen zwischen rechten Nationalisten und linken studentischen Revolutionären zerreißen die Stadt.

Zum 1. Mai 1977 organisieren die Gewerkschaften eine ihrer größten Demonstrationen, die auch den 18-jährigen Schüler Eiche voller Neugierde auf den Taksim-Platz treibt. Ein plötzlicher Kugelhagel führt zur Massenpanik. Auf den Straßen rund um den Platz tobt plötzlich Krieg. Panzer, Schüsse in die Menge, Verletzte und Tote. Während dieser Straßenschlacht begegnet Eiche der 21-jährigen Studentin Zuhal, die ihm hilft, aus dem grauenvollen Hexenkessel zu entkommen. Er verliebt sich in diese willensstarke linksextreme Idealistin und folgt ihr nun auf die organisierten Demos bis Zuhal beginnt, ihre Ziele immer stärker mit Gewalt durch zu setzen. Schließlich taucht sie in den Untergrund ab. Eiche versucht über die revolutionäre Studentenszene den Kontakt zu Zuhal nicht abreißen zu lassen.
Während Eiche seine revolutionären Fantasien nur träumt und weiß, … diese Träume zeigten nie das Blutbad danach, die Erschöpfung, die Schmerzen und die Tränen...." wird Zuhal zu einer der meistgesuchten Terroristinnen. Auch Eiche gerät nun unter Verdacht. Er wird verhaftet, erschrickt vor den Folteropfern im Knast und der polizeiliche Terror macht ihm Angst.

Trotz der staatlichen Repression bleibt Zuhal weiterhin in Eiches Dunstkreis. Er will auf sie warten und fragt sich, „War ich feige, wenn ich den Frieden und die Liebe den Krieg vorzog?“ Erst die Liebe zu der jungen Nehir macht ihm klar, dass für ihn in Zuhals hasserfüllter Welt kein Platz ist.

Fazit

Eine mit glanzvoller Klarheit der Sprache geschriebene detailreiche gesellschaftskritische Prosa über das in einer bürgerkriegsähnlichen Welle versinkende Istanbul der 70er Jahre. Celasin zeichnet ein überaus ausdrucksstarkes Bild über die innere Zerrissenheit der Bevölkerung in linke Revolutionäre und rechte Nationalisten, über die Angst vor den Kommunisten, über Fragen nach der nationalen Identität, über staatliche Willkür und Terror, über Attentate und über die Liebe. Eine Liebe zwischen einem friedlichen Idealisten und einer linksintellektuellen Kämpferin, die einen langen Schatten mit sich zieht.

Izzet Celasin, Schwarzer Himmel, schwarzes Meer, Roman, Titel der Originalausgabe: Svart Himmel, svart hav, Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob, 400 Seiten, Gebunden, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, ISBN: 978-3-462-04035-7, Euro (D) 19.95 | sFr 35.00 | Euro (A) 20.60

© Soraya Levin


Kiwi

Soraya Levin: Politologin, freie Redakteurin und Rezensentin

Diese Seite drucken