Schwarze Küsse

Joaquín Guerrero-Casasola



Die Millionenmetropole Mexiko-City, Hort der Gewalt und Entführungen, macht Joaquín Guerrero-Casasola zum Schauplatz seines Krimis Schwarze Küsse.

Wenn es einen echten Spürhund gibt, dann muss es einer sein wie Gil Baleares. Ein Ex-Polizist auf der Suche nach seinem entführten Vater. Doch Gils Ermittlungen laufen ins Leere, der Vater bleibt spurlos verschwunden. Der Verdacht tut sich auf, dass er vielleicht tot ist. Als Gil zufälligerweise seinen alten Kollegen Wintilo begegnet, bietet dieser seine Hilfe bei der Suche an. Die einzige Bedingung ist, dass Gil der Spezialeinheit hilft, den spurlos verschwundenen Sohn des Richters zu finden. Die Ermittlungen führen in die Schwulen- und Lesbenszene. Hier in der Zona Rosa, dem Amüsierviertel der Homosexuellen, hoffen Gil und Wintilo das Versteck aufzuspüren. Doch zunächst finden sie einen Toten mit schwarzen Lippenstiftküssen. Der Verdacht fällt auf den gesuchten Sohn des Richters. Während Gil und Wintilo auf der Suche nach Hinweisen durch die nächtlichen Bars streifen, gibt es weitere Tote. Und alle tragen den schwarzen Lippenstiftkuss auf ihrem nackten Gesäß. Beim Verhör von wichtigen Zeugen gerät Wintilo völlig außer Kontrolle. In seinem brutalen und verrohten Vorgehen entlädt sich sein ganzer Hass auf die Homosexuellen. Als Gil den Sohn des Richters aufspürt, kommt es


zu einem gnadenlosen Überlebenskampf. Gil bleibt im Netz zwischen sexueller Misshandlung, Folter und einer verrohten und verflochtenen Polizei hängen.

Fazit

Mexiko-City, eine Millionenmetropole zwischen Gewalt und Erpressung, in der das organisierte Verbrechen und die Polizei eng verflochten sind. Guerrero-Casasola greift in seinem Krimi den aussichtslosen Kampf gegen die täglichen Entführungen sowie das Schwulen- und Lesbenproblem Mexiko-Citys auf. Obwohl offiziell erlaubt, entlädt sich der Hass gegen die Homosexuellen bis zum oftmals nicht geahndeten Mord. Die Zona Rosa, das Amüsierviertel der Homos, das Viertel, wo Verruchtheit und Begierde allabendlich aufeinander treffen. Hier zeigt der Polizist Wintilo seine Macho-Mentalität, hier endet die Jagdzeit der Polizei in sexueller Misshandlung, Folter und "Lippenstiftmord". Der Ich-Erzähler Gil Baleares gibt hingegen den etwas naiven Einzelgänger, der gern einen hebt, vom Tequila bis zum BlackVelvet. Der Angst vor einer zu engen Bindung hat und daher nicht nur vor der sentimentalen Musik der Mariachi sondern auch vor seiner Freundin flieht.

Schwarze Küsse, ein unterhaltsamer schmissiger Krimi mit einer forschen Alltagssprache.

Joaquín Guerrero-Casasola, Schwarze Küsse, Titel der Originalausgabe: El pecado de Mama Bayou, Roman, aus dem mexikanischen Spanisch von Verena Kilchling, 224 S., Klappenbroschüre, EUR 16,90/EUA 17,40/CHF 27,90, Kein & Aber, Zürich 2009, ISBN978-3-0369-5549-0

© Soraya Levin








Soraya Levin: Politologin, freie Redakteurin und Rezensentin

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