Huckleberry Finns Abenteuer

Mark Twain


Huckleberry Finns Abenteuer ist nicht nur ein Buch für Kinder und Jugendliche. Es ist ein großartiges Buch für Jeden, der Abenteuer atmen und den Flair des Mississippis des 19. Jahrhunderts spüren möchte.



Als ich Kind war, las ich mit Vergnügen Huckleberry Finns Abenteuer. Schon lange aus den Kindheitsschuhen raus gewachsen, habe ich mich jetzt zu Mark Twains 100-jährigem Geburtstag wieder von den Abenteuern am Mississippi River verführen lassen. Und - die Verführung wahrlich genossen.

Es ist die Welt des verwahrlosten Jungen Huckleberry Finn, die Mark Twain erzählt. Huck liebt das Herumlungern mit seinem versoffenen Vater. Nur eines, was ihn stört, sind die ständigen Prügelattacken. So flieht er eines Tages und versteckt sich auf einer Insel im Mississippi. Was er noch nicht weiß. Er teilt sein Versteck mit dem entlaufenden farbigen Sklaven Jim. Als ihr Schlupfwinkel aufzufliegen droht, ergreifen sie gemeinsam die Flucht auf einem Floß. Ihr Trip auf dem Mississippi wird für beide zu einem wahren Abenteuer. Zwischen regungslosem Dahintreiben, die Füße vom Mississippi-Wasser umspült, genüsslich Pfeife rauchend sich der Geschwindigkeit des Flusses wie Treibholz anpassen, dem Vorbeiziehen am Dickicht, nachts nicht nur die Sterne sondern auch die Lichter der unbekannten Städte sehend, die Turbinen der Dampfschiffe im Nebel hörend, weist der Fluss auch Tücken auf. Geraten sie in manch ein Gewitter und einen Sturm, werden ihre Landausflüge zu einem Nervenkitzel, der Mut erfordert. Auf einem Wrack werden sie Zeuge eines geplanten Mordes, an Land finden sie sich plötzlich inmitten einer tödlichen Familienfehde und schließlich geraten sie in die Hände von zwei fahrenden Gaunern, die sich König und Herzog nennen. Es ist ihre eigene Welt, die sich Jim und Huck auf ihrer Floßreise erschließt. Inmitten eines Dschungels aus Selbstjustiz, Kriminellen, Rassenhass und Sklaverei träumen sie von Freiheit. Werden sie beide - der verwahrloste Huck und der Sklave Jim -


zu Freunden. Steht Huck für Augenblicke vor der Entscheidung Jim zu helfen und ins "Fegefeuer" zu kommen oder ihn zu verraten. Für die beiden Trickser König und Herzog stellt sich die Frage erst gar nicht, sie verkaufen Jim einfach. Und Huck hat sich entschieden, macht sich auf die Suche nach Jim. Ein weiteres Abenteuer für den unverdrossenen Huck. Wagemutig will er Jim befreien.

Fazit

Zwischen der Romantik des Flusses und den waghalsigen Erlebnissen von Jim und Huck, gibt Mark Twain eine tiefe Sicht auf das Leben der Menschen am Mississippi im 19. Jahrhundert. Es ist nicht nur die Zeit der Dampfschiffe, es ist vielmehr die Zeit des durch und durch konservativen Südens, die Zeit der Sklaverei und des Rassenhasses. Ein Rassenhass, den Twain in der geschriebenen Alltagssprache zum Ausdruck bringt. Neben dem gesprochenen Mississippi-Dialekt, das Wort "Nigger". Twain, wie vielfach erfolgt, Rassismus zu unterstellen, ist geradezu grotesk. Denn die Botschaft ist eindeutig: Gleiche Rechte, Freiheit und Toleranz. Der verwahrloste Outsider Huck und der farbige Sklave Jim, sie verkörpern den Appell durch ihre Freundschaft, durch Hucks Entscheidung für das "Fegefeuer" und gegen die vermeintlich sittlich-moralische Gesellschaft und damit gegen die Sklaverei.

Mark Twain, Huckleberry Finns Abenteuer, Titel der Originalausgabe: The Adventures of Huckleberry Finn, Roman, Aus dem Amerikanischen von Lore Krüger, Mit einem Nachwort von Alexander Pechmann, Broschur, 400 Seiten, Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-7466-2593-5, 9,95 € / 17,90 Sfr

© Soraya Levin




Soraya Levin: Politologin, freie Redakteurin und Rezensentin

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