Finish

Tom McNab


Finish. Pfeilschnell, spannend und feurig.



Hasardspiele gibt es nicht nur im Spielereldorado Las Vegas. In Tom McNabs Roman Finish werden die Spielhöllenwürfel gegen Laufschuhe getauscht, werden Duelle nicht im Casino sondern auf der Piste ausgetragen.

Es ist das Jahr 1876 und es ist eine Geschichte über die fast men Buck Miller und Billy Joe Speed. Fast jede Stadt im Wilden Westen hat ihren besten Läufer, ihren fast man. Zumindest so lange, bis ein neuer kommt, einer der besser läuft, schneller ist, höhere Wettgewinne einbringt. Zu Tausenden strömen sie herbei, vom Cowboy bis zum Goldgräber, vom Zocker bis zum Kirchgänger, vom Mann bis zur Frau, vom Vater bis zum Sohn. Ihr Antrieb? Nicht nur das Spektakel und nicht nur der ersehnte Wettgewinn. Vielmehr ist es das richtige Abschätzen des wohl besten Läufers, das richtige Beurteilen der Kampfstärke, eine gelungene Einschätzung über die richtige Strategie, was diesen Rausch des Laufwettbewerbs ausmacht.

Da werden Nichtläufer zu kampfstarken Sprintern geformt, da werden Streckenrekorde gebrochen, da wird geblufft, da werden dem Gegner Schwächen vorgegaukelt, da werden raffinierte Trainingsmethoden ausprobiert, da wird sich gegenseitig beim Training bespitzelt und beäugt, da wird auch schon mal zur Waffe gegriffen, da gehen die Quoten vor und während des Laufs nach oben und nach unten, da greift ein sich betrogen fühlender Mob zur Lynchjustiz, da wirbeln die Läufer den trockenen staubigen Boden des Westens auf, da vibriert die Luft von


den Tritten der Running Spikes, da überflügeln kaum Gesetzte die Superstars, da triumphieren die Herausforderer in sensationellen Zweikämpfen und fulminanten Streckenrekorden.

Buck Miller und Billy Joe Speed. Die Fast Men werden von ihrem Coach Moriarty immer weiter angetrieben. Ein Streckenrekord jagt den nächsten, mit jedem weiteren Lauf nähern sie sich immer stärker ihrer äußersten Leistungsgrenze. Aber nicht nur auf der Piste stellen sie ihre Fähigkeiten zur Schau. Moriartys zweites finanzielles Standbein, das fahrende "Theater des Westens", ist eine weitere sportliche Herausforderung. Auch Shakespeares Tragödien erfordern ganzen Körpereinsatz, Teamspirit und hartes Training.
Der alltägliche und allabendliche Beifallsdonner reicht nicht mehr aus. Eine neue und große Rolle muß her. So kommt es zum letzten gewaltigen Lauffinale, zum absoluten Grenzgang.

Fazit

Es ist der Wilde Westen, aber kein Duell von Revolverhelden, das in Tom McNabs Roman Finish zu Höchstleistungen anspornt. Es ist das Abenteuer der Zweikämpfer des Wilden Westens, die ihre Stiefel gegen Mokassins und Running Spikes getauscht haben, angetrieben von einem exzessiven Laufrausch.
McNab verbindet das Laufspektakel mit dem des Theaters. Auch auf den Brettern der Welt wird experimentiert, wird der Zuschauer geblufft, wird duelliert, gibt es kampfstarke Auftritte und ist man rasend schnell ein Superstar und ebenso schnell wieder ein Verlierer, gibt es Dramen und Tragödien.

Tom McNab, Finish
, Roman, aus dem Amerikanischen von Verena von Koskull, die Originalausgabe unter dem Titel The Fast Men, erschien 1986 bei Hutchinson, gebunden, 450 Seiten, Aufbau Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-351-03293-7, 22,95 € / 39,50 Sfr

© Soraya Levin


Soraya Levin: Politologin, freie Redakteurin und Rezensentin

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