Landungen

Michael Ebmeyer


Landungen, eine unterhaltsame Spurensuche über mehrere Generationen nach dem, was wirklich wichtig ist im Leben.


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Ende des 19. Jahrhunderts brechen viele Deutsche ihre Zelte in der Heimat ab und wandern nach Südamerika aus. So auch die Soltaus, die Michael Ebmeyer in seinem Roman Landungen über drei Generationen begleitet.

Im Frühjahr 1869 verlassen der Pastor Alfred Soltau und seine Schwester Friederike die Rheinprovinz. In Bremerhaven gehen sie an Bord eines Schiffes, das sie und viele andere Emigranten nach Argentinien bringt. Doch ihr Aufbruch in diese andere Welt ist nicht ganz freiwillig. Der in Argentinien lebende Bruder Karl ist schwer an TBC erkrankt und benötigt dringend bei der Bewirtschaftung seiner Farm Hilfe. Für Alfred eine Selbstverständlichkeit der christlichen Nächstenliebe, für die sich oft sehr merkwürdig verhaltene Friederike, die mit einem imaginären Schatten spricht, hingegen ein Zwang. Sie wird vor die Alternative gestellt. Entweder landet sie in der Heilanstalt für Schwachsinnige in Siegburg oder sie geht mit nach Argentinien. Während ihre Brüder mit allen Mitteln das Anwesen bearbeiten, Viehzucht betreiben und ihre europäische Kultur beibehalten, lässt Friederike in den kommenden Jahren das Alte hinter sich. Sie atmet nun den argentinischen Rhythmus, spricht fließend die Sprache, taucht für Tage ab in die Pampa, sitzt mit den Gauchos am Lagerfeuer. Die mit Kräutern Wunder vollbringende Mapuche Amalia wird ihre engste Vertraute und gibt ihr Halt. Mit ihrer Hilfe streift sie endlich ihren Schatten ab. In der weiten Grasebene hat Friederike ihre erste sexuelle Begegnung. Eine unerlaubte Liebe, die ihr ein Kind beschert. Als ihre Brüder davon erfahren, versuchen sie mit allen Mitteln die Schwangerschaft zu verheimlichen. Der kinderlose Bruder Karl und seine Frau geben das Kind, ein Junge namens Christian, als ihres aus. Der weitere Farmaufbau prägt in den kommenden Jahren den Alltag der Soltaus. Bis Karl plötzlich stirbt. Alfred tritt mit seiner Schwägerin und dem Kind die Heimreise an. Friederike lassen sie zurück. Ihren Sohn Christian sieht sie nie wieder. Als er 24 Jahre ist, reist er nach Argentinien, doch er kommt zu spät. Mit dem

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Urenkel Udo geht der Farmbesitz der Soltaus in Argentinien verloren. Gemeinsam mit seinem Bruder verkauft er das argentinische Anwesen. Sein Sohn Marco, der ewige spleenige Student, begibt sich auf Spurensuche nach Argentinien. Es ist nicht nur eine Suche nach den Ursprüngen der Familie. Marco versucht vielmehr sich selbst zu finden.

Fazit

Ginge es allein um die Emigration in ein neues Land, könnte man sagen, Ebmeyer schildert eine Auswandererfamilie. Aber egal zu welcher Generation ein Soltau gehört. Sie halten das normale Leben mit dem ganz normalen Alltag nicht aus. Sie sehnen sich nach etwas, was sie nicht kennen, sind teilweise zügellos wie Marco, nehmen Drogen und werfen den Eltern Spießigkeit vor. Oder sie verstummen wie Udo. Werden zum Angepassten, machen mit in der Gesellschaft. Sind verbittert, weil sie keinen Mut haben, einfach nur sie selbst zu sein. Und das Vermächtnis der Verwandten? Für Alfred wird die Farm zur Lebensaufgabe. Die Arbeit dort wird wichtiger als dem Bruder im Tod beizustehen. Auch er ist gefangen und kann nicht er selbst sein. Das wirft er sich am Grab des Bruders vor und trägt die Schuld mit sich. Die Identität von Friederikes Sohn Christian wird verleugnet. Und auch er kann nicht er selbst sein. In jeder Generation macht sich wieder einer der Soltaus auf nach Argentinien. So sehr sie sich auch bemühen. Die Dinge, die wirklich für sie wichtig sind, können sie nicht fassen. Das unterscheidet sie von der für die Außenwelt merkwürdigen Friederike.

Michael Ebmeyers Handlung setzt sich aus mehreren Erzählsträngen zusammen. Er beginnt mit einem fabelhaften Sprachstil, der im Laufe der Erzählung bedauerlicherweise abflaut. Es scheint als verliert Ebmeyer seine Handlungsstränge und seine Protagonisten aus den Augen. Dadurch verliert die Erzählung an Spannung und wirkt zeitweilig wie mit Macht herbei gesucht.

Michael Ebmeyer, LANDUNGEN, Roman, Coverfoto: Ling Na Tan/Corbis/Specter, gebunden, 368 Seiten, 2010 by Kein & Aber AG Zürich, ISBN 978-3-0369-5570-4, 19.90 €, 29.90 CHF

© Soraya Levin




Soraya Levin: Politologin, freie Redakteurin und Rezensentin

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