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Europa im Schatten des Elefanten und Drachen

Neue Weltmächte - Chance oder Bedrohung

Zu Gast beim sechsten braunschweigerischen Literaturfestival „seitenweise“ am 29. April 2007 der China-Experte und Wirtschaftsredakteur Wolfgang Hirn und der Spiegelredakteur und Indienkorrespondent Olaf Ihlau. Das Thema der beiden Experten: „Neue Weltmächte – Chance oder Bedrohung?“

In einem sind sich der China-Experte Wolfgang Hirn und der Indien-Experte Olaf Ihlau einig.
Die Gewinner der Globalisierung und die Weltmächte von morgen sind die beiden „Global Player“ Indien und China.

Schon heute ist jeder zweite von fünf Menschen ein Inder oder Chinese.

Während Olaf Ihlau den indischen Elefanten auf der Aufholspur sieht, ist für Wolfgang Hirn der chinesische Drache die zukünftige Weltsupermacht.
Wolfgang Hirn untermauert seine Aussage mit 8 Thesen, die von der „Fabrik der Welt“ bis zum Demokratisierungsprozess reichen.

China, die „Fabrik der Welt“? Ja, denn schon heute bietet China fast jedes Konsumgut auf dem Weltmark an. Aber in China wird nicht nur mehr produziert, sondern immer mehr Forschung und Entwicklung verlagert sich nach China.
So wird Know How vom Westen nach China transportiert.
Hirn weist auf die steigende Tendenz der Auslandsstudenten an amerikanischen Eliteuniversitäten hin. Ein massiv gefördertes Bildungssystem und der Ehrgeiz der Chinesen lassen einen High-Tech-Standort ungekannten Ausmaßes entstehen.
Zahlreiche Joint-Ventures mit ausländischen Firmen und wie Wolfgang Hirn es bezeichnet, die „Erpressung“ westlicher Firmen Produktionsstandorte des Auftrages wegen nach China zu verlagern, forcieren den Know-How Transfer.
China ist als Partner sehr ernst zu nehmen.
Ein Zeichen für Wachstum ist auch die boomende Tourismusbranche. Allein in 2005 befanden sich annährend 30 Millionen Chinesen auf Reisen. Erstmals überholte ein Land die reisefreudigen Japaner.
Aber eine Weltsuperwirtschaft benötigt auf ihrem Wachstumsweg von jährlich 10% und mehr Energie – und Rohstoffe. Schon jetzt zeigen sich Engpässe. Eine von Wolfgang Hirns Thesen ist, dass China zukünftig die Weltmärkte leer kaufen wird. Mit allen Konsequenzen für die westlichen Länder wie steigende Energiepreise und ein harter Kampf um die Rohstoffmärkte.
Ein großes Konfliktpotential liegt daher im Nahen Osten und in Zentralasien, wo auch die USA ihre Interessen bekunden.
Hohe Umweltschäden pflastern zudem den Weg zur Industrialisierung.
Schwefeldioxidausstöße verursachen sauren Regen, verschmutztes Wasser und alle anderen die Umwelt schädigenden Begleitumstände.
Politisch glaubt Wolfgang Hirn, wird China zur zweiten Weltmacht neben den USA werden.
Wobei der Taiwan-Konflikt politischen Sprengstoff für die alte und zukünftig neue Weltmacht bietet.
Eine zentrale Bedeutung für den Weltfrieden wird daher das Verhältnis China – USA spielen.
Die zukünftige Regierungsform glaubt Wolfgang Hirn, wird eine neoautoritäre Form analog dem Modell Singapur sein. China baut damit seine Überlegenheit gegenüber dem demokratischen Ländern des Westens aus, das das neoautoritäre System kürzere und schnellere Handlungswege bietet.

Für Olaf Ihlau heißt der eindeutige Weltmachtsiegeer Indien. Nicht nur, dass Indien über ein unerschöpfliches Reservoir an Technikern und Computerspezialisten verfügt, in der Bio- und entechnologie zahlreiche Forschungsstätten etabliert sowie sich im medizinischen und pharmazeutischen Sektor stark entwickelt, nein, es wird mit einer Bevölkerung von 1,46 Milliarden Menschen die erste Nation werden und China überholen. 70 % der Weltbevölkerung werden in Indien leben.
Indien, die junge Generation, während China aufgrund seiner Ein-Kind-Politik immer mehr überaltert. Ihlau kritisiert zudem die fehlende Sicht auf diese Entwicklung seitens der „ergrauenden Schrumpfeuropäer“.
Bis 2010 werden über 60 Millionen neue Jobs in Indien benötigt.
Schon jetzt entwickelt sich eine kaufkräftige Mittelschicht, die auf über 250 Millionen Menschen anwachsen wird. Luxushotels und zunehmende westliche Firmenaufkäufe sind schon heute ein Beleg dieser Entwicklung.
Zudem bietet die Weltsprache Englisch den Indern noch einen Wettbewerbsvorteil.
Der indische Elefant hat ein starkes Gerüst, nämlich die stabile Demokratie.
In 15 Jahren, so schätzt Ihlau, wird Indien an Japan und Deutschland vorbeigeprescht sein.
Der Rohstoffbedarf wächst und Indien wird zukünftig die Hälfte aller weltweiten Rohstoffe für sich beanspruchen.
Politisch geht bereits jetzt die USA auf Indien zu. Präsident Bush hat bei seinem Indienbesuch bereits das Land als Weltmacht bezeichnet und enge ökonomische und militärische Beziehungen angekündigt.

Nach Ansicht beider Experten findet im Westen eine schleichende DeIndustrialisierung statt. Europa wird als Global Player in der Zukunft keine Rolle mehr spielen.

Beide Experten haben nichts beschönigt. Ob der indische Elefant oder der chinesische Drache. Eine Weltmachtverlagerung Richtung Asien scheint sich nicht nur anzubahnen sondern unabdingbar.

© Soraya Levin

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