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Madame Hemingway

Paula McLain

McLain erzählt diese Liebe der Hemingways inmitten des wilden Paris der 1920er Jahre auf eine erfrischend hinreißende Art. Ihre gefühlvollen und explosiven Dialoge sind hervorragend.

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Reden wir über Ernest Hemingway, so fällt uns der Nobelpreis für Literatur ein, der Großwildjäger, der begeisterte Stierkampfanhänger, der Frauenheld, der trinkfeste Macho. Paula McLain erzählt in ihrem Roman „Madame Hemingway“ keine von diesen Geschichten. Sie porträtiert seine Pariser Frau und zeigt durch ihre Augen eine ganz andere, eine unbekannte Seite dieses Schriftstellergiganten.

Doch noch ist er kein Gigant. Er ist 21 Jahre und trägt wie viele andere die Trümmer des Ersten Weltkriegs mit sich herum als er in Chicago die acht Jahre ältere Hadley kennen lernt. Nora Bayes singt "Make believe you are glad when you're sorry. Sunshine will follow the rain." und beschwingt vor Glück springen sie 1921 wagemutig in die Ehe. Er tut ihr gut, rüttelt sie wach und belebt ihr Leben. Mit ihr kann er alles erreichen. Sie ist sein verlässlicher Anker. Er ihr Glück.

Noch ist er Korrespondent beim Toronto Star und noch träumt er vom Durchbruch. Ein Durchbruch, der in den USA nicht möglich scheint. Die künstlerische Avantgarde trifft sich in den 1920er Jahren in Paris. Die Hemingways machen sich auf den Weg in die europäische Künstlermetropole. Hier ist jetzt alles möglich. Hier sind sie alle versammelt, die ganz ganz Großen wie Gertrude Stein und Ezra Pound. Hier könnte er Schriftsteller sein, wenn er nicht die meiste Zeit dem Toronto Star widmen müsste. Später kommt es zum Bruch mit der Zeitung. Jetzt ist seine ersehnte Zeit zum Schreiben da. Doch sein ungeduldiges Warten auf den Erfolg wird zur schwermütigen Strapaze. Die Zeit wird zum Ballast, nötigt ihn zum Erfolg.

Hash und Hem, Hadley und Ernest, diese Zwei, die nach Leben dursten, für diese Zwei ist dieses Paris wie eine teuflisch-schöne Geißel. Es ist hungrig nach Erfolg, unersättlich in der schriftstellerischen Plackerei an der Corona, dürstend nach Absinth, lechzt nach hemmungslosen Rauschzuständen in Cafés und auf Partys, ist leidenschaftlich und verlangend und wieder einsam in der ärmlichen Unterkunft und im täglich stundenlangen Warten auf Ernest.

1922 splittert ihr Ehe-Glück das erste Mal. Für den Toronto Star stürzt sich Ernest als Kriegsberichterstatter in die Hölle des Griechisch-Türkischen Krieges. Hadley ist nicht nur einsam, ohne Ernest fühlt sie sich entwaffnet, leer und schwunglos. Sie möchte nicht, dass er geht,

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setzt ihn unter Druck. Versucht eine Entscheidung zwischen ihr und seiner Arbeit zu erzwingen. Eine Entscheidung, die von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Seine Leidenschaft ist und bleibt das Schreiben.

Ein kleiner Brand, der hier im Vertrauen gelegt ist, der einmal zum nicht mehr löschenden Flächenbrand werden wird.
Der mit dem Verlust seiner gesamten Notizen und Skripte ausbricht. Ein Verlust, den sie, seine verlässliche Hadley, aus Unachtsamkeit während einer Reise zu verantworten hat. Immer mehr verlieren sie ihr Gleichgewicht. Jetzt ist sie auch noch schwanger. Er ist außer sich. Kann er noch auf sie vertrauen?

Nach außen steht sie noch, die Fassade ihrer perfekten Ehe. Entspannte Urlaube am Meer, Kletterpartien in den Bergen und exzessive Aufenthalte in Pamplona beim Stierkampf, irgendwo sind sie immer bei einer feuchtfröhlichen Feier mit dabei.
Der schriftstellerische Durchbruch wird spürbar. Während Ernest mit seinem Roman "Fiesta" seinen Aufstieg beginnt, liegt die Ehe in Trümmern. Hadleys Freundin Pauline hat sich geschickt zwischen sie gedrängt. Aus der anfänglichen Affäre entwickelt sich ein schmerzhaftes Dreiecksverhältnis. Der Verlust von Ernest und die Scheidung sind unabwendbar.

Dieser geduldigen und bescheidenen ersten Frau, seiner Pariser Frau widmet Ernest Hemingway den Erfolgsroman „Fiesta“. Einer Frau, mit der Hemingway mehr wie eine impulsive Ehe geführt hat. Dieser dünnhäutige, so verletzbare Hemingway begreift viel später diese Liebe.

Eingebettet zwischen Wahrheit und Fiktion schildert Paula McLain diese Liebe und das prickelnde Pariser Künstlerleben, das ohne Alkoholexzesse und schmerzhaften Dreiecksbeziehungen nicht möglich scheint. Sie beschreibt den Aufstieg Hemingways zum Schriftstellergiganten, ein Aufstieg, der ohne Hadley nicht denkbar ist. McLain porträtiert einen Ernest Hemingway, der Tabus bricht, der seine Frau betrügt und seine Freunde enttäuscht und diffamiert, der sich von Paris abwendet und mit seinem letzten Roman „Paris - Ein Fest fürs Leben“ wieder zurückkehrt. Dessen Leben ein ständiger Kampf ist. Ob Stierkampf oder Großwildjagd. Zuletzt ist es ein Kampf mit sich selbst, der im Selbstmord mündet.

Paula McLain, Madame Hemingway, Aus dem Amerikanischen von Yasemin Dinçer, Titel der Originalausgabe The Paris Wife, 2011 bei Ballantine Books, New York, Gebunden mit Schutzumschlag, 456 Seiten, Aufbau Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-351-03358-3, 19,99 € / 28,90 Sfr

© Soraya Levin

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