Pamuk, Orhan
Orhan Pamuk
Orhan Pamuk
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Istanbul. Asiatisch und doch auch europäisch. Europäisch und doch auch asiatisch. Die Geburtsstadt des am 7. Juni 1952 geborenen türkischen Schriftstellers Orhan Pamuk. Er studiert zunächst Architektur, wechselt zum Journalismus und beginnt zu Schreiben. 1985 verlässt Pamuk Istanbul. Sein neues Zuhause wird bis 1988 New York, wo er an der Columbia University in lower Manhattan studiert. Nach dem Studium kehrt er wieder nach Istanbul zurück.
Sein bislang nicht ins deutsche übersetzter 1982 veröffentlichter Debütroman „Cevdet Bey ve Ogullari“ wird wie auch der ein Jahr später folgende Roman „Sessiz Ev“ vielfach ausgezeichnet.
Mit seinem 1985 veröffentlichten Buch „Beyaz Kale“ (dt. „Die weiße Festung) gelingt ihm der Durchbruch auf dem internationalen Parkett. Es folgen weitere international anerkannte und mit Preisen ausgezeichnete Romane wie „Kara Kitab“ (dt. Das Schwarze Buch), „Yeni Hayat“ (dt. das neue Leben), „Benim Adim Kirmizi (dt. Rot ist mein Name) und der Roman Schnee.
Sein jüngstes Werk „Istanbul“, eine Autobiografie, ist mittlerweile ein Bestseller. Pamuk ist kein schneller Schreiber. Für Istanbul hat er fast 10 Jahre benötigt. "Ich bin ein Schiff, das langsam und geduldig vorwärtstreibt, aber am Ende erreiche ich immer mein Ziel." sagt er in einem mit Sigrid Wesener von Deutschlandradio Kultur geführten Interview im Mai 2007.
Am 23.10.2005 erhält Pamuk den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Im Oktober 2006 wird erstmals mit Orhan Pamuk, ein türkischer Schriftsteller, zum Nobelpreisträger für Literatur gekürt. In 2007 wird Pamuk zum Ehrendoktor der Freien Universität Berlin ernannt.
Pamuk gilt heute als einer der wichtigsten zeitgenössischen Schriftsteller der Türkei. Seine Romane sind in weit über 30 Sprachen übersetzt. Das Thema seiner Werke ist der Widerspruch zwischen dem Festhalten an der türkischen Tradition und der Durchdringung mit den modernen westlichen Elementen. Ein stetiger Kampf zwischen Tradition und Moderne, der zu einem schmerzhaften Verlust der Identität und Kultur führt. Dieser Schmerz, ausgedrückt durch das Wort Hüzün, vereint alle Emotionen in sich und zieht sich wie ein Faden durch Pamuks Bücher, wie ein Brückenschlag zwischen Tradition und Fortschritt. Der Beitritt der Türkei zur Europäischen Union ist für Orhan Pamuk ein wichtiger Schritt den Widerspruch zwischen Tradition und Moderne zu überwinden.
Auch wenn es in seinen Romanen wie in Schnee auch um Politik geht, möchte Pamuk nicht politisch verstanden werden. Er hat vielmehr den Mut, die Dinge offen anzusprechen. So auch in einem 2005 mit dem Schweizer Tagesanzeiger geführten Interview, in dem er den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich sowie die Ermordung Tausender Kurden durch den türkischen Staat benennt. Pamuks Versuch einer historischen Aufarbeitung der schweren Vergangenheit ist eine Provokation für den türkischen Staat. Orhan Pamuk wird angeklagt, das Türkentum beleidigt zu haben. In der Türkei ein Straftatbestand. Das Verfahren wird im Januar 2006 eingestellt. Nach der nationalistisch motivierten Ermordung des armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink im Januar 2007 erhält auch Orhan Pamuk Morddrohungen. Die für Anfang 2007 beabsichtigte Deutschlandreise sagt er daher ab und reist Anfang Februar 2007 in die USA. Im Mai 2007 holt er seine verschobene Lesereise durch Deutschland mit seinem neuen Buch „Istanbul“ nach. Erinnerungen seiner Kindheit und seines Lebens in der europäisch-asiatischen Stadt am Bosporus.
© Soraya Levin















